Theatertexte

Don Pedro Calderon de la Barca

Dritter Aufzug.

Öffentlicher Platz in Rom.

D e c i u s  und  A s t r a e a  treten auf, letztere verkleidet.

Decius.

Da der Tod nunmehr, Astraea,

Hat verloren seine Rechte,

Lebe mir zum Glück, indeß

Alle dich gestorben wähnen.

Du bist jetzt nach Rom gekommen,

Um ein Trauerspiel zu sehen,

Größer, als je eins das Schicksal

Auf dem Weltenschauplatz gegeben.

Heute zieht Aurelian hier ein;

Wie, das kann ich nicht erzählen,

Ohne die gebrochnen Töne

Fast in Seufzern zu ertränken.

Auf dem Siegeswagen kommt er,

Welchen, statt unbänd'ger Pferde,

Ziehen vernunftbegabte Thiere,

Der Gefangnen Schaar in Fesseln.

Er, auf diesem Siegeswagen

Ueber alles sich erhebend,

Sitzt auf einem Throne, gleich

Einem strahlenden Planeten.

Dann erscheint Zenobia - weh mir!

Kann die Zunge doch nicht melden,

Daß zu Füßen liegend

Sie erscheinen wird, die Hehre,

Auf das reizendste geschmückt,

Von der größten Pracht umgeben,

Und von tausend Edelsteinen,

Silber, Gold und Perlen glänzend?

Goldne Ketten, reichbesetzt,

Fesseln ihre weißen Hände;

Doch was hilft ihr reicher Schmuck,

Sind sie doch am Ende Ketten?

Ihm zu Füßen liegt sie; er,

Würd' und Schönheit frech entehrend,

Wagt's den Fuß auf dieses heil'ge,

Höchst erlauchte Bild zu setzen.

Ich verfluche meinen Muth;

Denn bei diesem Siegsgepränge

Ist der Vortheil Aurelians

Dieser, daß im Glückswechsel

Ein Getreuer  i h n  beschützte,

S i e  verkauft ward vom Verräther.

Astraea.

Wenn du den Bericht verzögerst,

Wird das Auge leicht die Stelle

Des Gehörs vertreten können,

Weil sich schon die Boten nähern

Des Triumphs.

Decius.

Hierher, zum Platze

Des Amphitheaters, wendet

Sich ganz Rom, um sie zu schaun.

Dort hervor nun will ich treten,

Sey es Keckheit, sey's Verzweiflung,

Und das stolze Rad verderben

Diesem Pfau, im höchsten Glanze

Seiner Hoheit ihn belehrend,

Daß ich's war, der vor dem Tod' ihn

Schützte . . .

Astraea.

Großes Unternehmen!

Decius.

Als ich ihn mit solcher Schmach

Sah entfliehn aus jenem Treffen.


Musik. Zug von Soldaten; in ihrer Mitte der Triumphwagen;

auf ihm erscheint Kaiser  Aurelian; zu seinen Füßen liegt Zenobia, reich geschmückt, mit gefesselten Händen. Gefangene ziehen den Wagen; das Volk folgt ihm nach.

Alle.

Unser Kaiser lebe hoch!

Unser großer Caesar lebe!

(Der Zug hält still.)

Aurelian.

Denkend, sieggekröntes Rom,

Deines hohen Ruhms, und denkend

Deiner ewig hellen Glorie,

Blick' auf dies Triumphgepränge.

Nicht gekränzt mit Lorbeerzweigen,

Komm' ich heut zu die; das wäre

Kleiner Lohn für solche Thaten.

Gold soll mir die Stirn umkränzen,

Ein unsterblich Diadem;

Und auf ew'ge Zeiten werde

Dieses nun der Kaiser Schmuck,

Wie es mich, den ersten, kränzet.

(Er setzt sich eine goldene Krone auf.)

Nicht auf einem Siegeswagen,

Welchen wilde Thirer schleppen,

Zahmen Jochen unterwürfig,

Kommt eu'r unbesiegter Herrscher;

Neun, mich zieht der niedern Sklaven

Schaar, durch ihre Demuth meldend

Meinen Stolz. Assyrer sind's;

Wozu wilde Thiere ferner?

Glaubt nicht, daß ein Weib geringes

Ziel sey solches Unternehmens;

Denn mehr acht ich diesen Sieg,

Wie wenn ich im freien Felde,

Arm in Armund Macht an Macht,

Schlüg', als des Olypus Retter,

Die Gigantenvon Sicilien

Oder die Cyklopen Phlegra's.

Diese Frau, die ihr erniedrigt

Hier zu meinen Füßen sehet,

Selbst des Glückes hohe Göttinn,

Wenn die Göttinn sterblich wäre,

Diese war der Schrecken Asiens,

Sie war Afrika's Entsetzen

Und Europa's Schmach; sie war es,

Die mit Rom so kraftvoll kämpfte.

Seht sie jetzt in ihrer Demuth,

Seht den Ehrgeiz nun entsetzet,

Seht besiegt die Eitelkeit

Und den Uebermuth gekettet;

Und um alles dies zu schauen,

Seht Zenobien hier in Fesseln,

So erblickt ihr Stolz und Ehrgeiz,

Eifersucht und Macht und Stärke

Mir zu Füßen, wenn Zenobien

Ihr zu meinen Füßen sehet.

Zenobia.

Wiss', Aurelian, die Rache

Des Geschicks ist hier zu sehen,

Aber weder deine Größe,

Noch mein Fehl. Drum, weil du kennen

Lernst des Glückes Wankelmuth,

Zeige Kühnheit, heuchle Stärke;

Denn ein andrer Tag ist morgen,

Und durch leichte Wendung werden

Oft gewechselt Monarchieen,

Kaiserthümer oft gewechselt.

Sieg' und schweige du; denn ich

Duld' und hoffe, daß du sehest,

Eben weil ich nicht verzage,

Sey zur Furcht dir Grund gegeben.

Laß so hoch dich nicht vom Ehrgeiz

Heben, daß du, Sphären messend

Deiner eignen Eitelkeit,

Durch die Höhe schwindelnd werdest.

Lichtgekrönet steigt Aurora

Früh empor, und Goldgewänder

Senkt die Sonn' auf unsern Erdkreis,

Aufzutrocknen Perlenthränen.

Schnell erreicht sie den Zenith,

Schneller sinkt sie , und die ernste

Nacht hüllt sich in Trauerschleier

Zu der Sonne Leichenfeste.

Von den Winden fortgetrieben,

Leichbeflügelt, auf den Wellen

Fliegt das Schiff dahin; das ganze

Meer scheint ihm nur kleine Sphäre.

Und in einem Augenblick

Brüllt der Wind; das Meer, aufschwellend,

Tobt, als wollten seine Wogen

Löschen aus den Glanz der Sterne.

Fürchtet doch der Tag die Nacht,

Und es harrt das heitre Wetter

Auf den Sturm; die Freude weilet

Hinter'm Rücken nur des Schmerzes.

Ueberlaß es fremden Lippen,

Deine Glorie zu erheben;

Denn mehr lobet fremdes Schweigen,

Als des eignen Mundes Rede.

Mich laß deinen Ruhm verkünden,

Daß man Leid und Seelenstärke

Seh' an mir, an die zugleich

Mäßigung und Mitleid sehe.

Römer, schaut, ich bin Zenobia,

Die sich Rom entgegen setzte

In so manchem Krieg, so manchen

Blut'gen Sieg glorreich erkämpfte.

Mich verrieth ein Bösewicht;

Sehet nun, wie Muth und Stärke

Sich dem Trug, und Heldengröße

Dem Verrath muß unterwerfen.

Aber jetzt, da ich besiegt bin,

Mag, bei meiner Leiden Schwere,

Mitleid jedes tapfre Herz,

Jedes feige Hochmuth hegen;

Denn, des Beifalls überdrüssig,

Könnte leicht das Rad sich wenden,

Daß ich, wie du mich gesehn,

Dich zu meinen Füßen sähe.

Aurelian.

Ha, dies ist dieselbe nicht'ge,

Thöricht feige Hoffnung jenes

Decius, der auch mir sagte:

"Leicht könnt' eine Zeit sich melden,

Da ich dich besiegen soll."

Will sich diese Zeit nicht nähern?

An mich wagt das Glück sich nicht,

Sey es Ehrfurcht oder Schrecken.

Seltsam wär' es wohl, wenn ich,

Der es achtet nicht noch schätzet,

Scheut' ein Weib und einen Feigen.

Decius.

(hervortretend)

Einem Krieger, der im Felde

Hohen Ruhm erwarb, vergönnt

Der Triumph, so lang' er währet,

Die Erlaubniß, den verdienten

Lohn vom Feldherrn zu begehren.

Schilt nur Decius einen Feigen,

Die gilt gleich; doch nicht verletze

Jene Krieger, welcher dir

Leben gab, der seins gefährdet,

Um das deine zu beschützen,

Als du auf der Flucht begehrtest,

Eines Baumes Geist zu seyn,

Oder eines Felsen Seele.

Und wenn du, weil mich ein Weib

Einstens überwand, mich schmähest:

Sprich, wie kann dir eines Weibes

Ueberwindung Ruhm gewähren?

Sie ist tapfer, oder nicht;

Ist sie tapfer, so erhellet,

Daß sie mich besiegen konnte;

Ist sie's nicht: nun, was berechtet

Dich alsdann, zu triumphiren

Mit so vieler Pracht und Ehre

Ueber ein nicht tapfres Weib?

Folglich, aus entgegenstehnden

Gründen, dient's mir nicht zur Schande,

Daß ich einem Weib' erlegen,

Oder die dient der Triumph

Ueber sie zu keiner Ehre.

Aurelian.

Um zu siegen, Decius,

Gnügt's an irgend einem Gegner;

Um besiegt zu werden, nicht.

Aber, Feiger, welche Zwecke

Halten dich zurück in Rom

Mit so narrenhaftem Schmähen,

Mit so eitlen Hirngespinnsten?

Sprich, was kümmert's dich, daß jener

Krieger würd'gen Lohn empfange?

Tapfer war er, ich gesteh' es;

Und schon deßhalb bin ich sicher,

Du warst's nicht

Decius.

(den Feldherrnstab zeigend.)

Dies Merkmal werde,

Dieser Stab, Aurelian,

Mir ein Zeuge, wer's gewesen.

Lohne meinen Muth, so wie du

Meine Feigheit starfest. Sehen

Laß, daß du demselben Manne

Wissest, so wie Schimpf auch Ehre,

Wie Beleid'gung auch Ersatz

Und wie Straf' auch Lohn zu geben.

Aurelian.

Decius, du nur widerstreitest

Meinem Ruhme; du nur strebest

Jene Glorie zu verdunkeln,

So mir Rom ertheilt. Vermessen,

Thöricht, nahst du mir; drum kann ich

Keinen Lohn mit Recht dir geben.

Denn ein ehrenloser Mensch,

S o  beschimpft, ist keiner Ehre

Weiter fähig. Und zur Strafe

Solches unerhörten Frevels,

Sey alsbald nun der Triumphzug

Fortgesetzt, daß du ihn sehest,

Und zu meiner größern Glorie

Soll der Ruf als Herold melden:

Dies ist die verdiente Strafe,

Womit das Geschick, als Rächer,

Züchtigt diesen Mann, der Feigheit,

Dieses Weib, des Stolzes wegen.

Alle.

Unser Kaiser lebe hoch!

Unser großer Caesar lebe!

Die Musik fällt ein; der Wagen fährt weiter. Alle gehen ab,

bis auf  A s t r a e a  und  D e c i u s.

Astraea.

Was du jetzt dir unterstanden,

Decius, war ein kühnes Wagen,

Daß du mit so bittern Klagen,

Frei und keck vor ihm gestanden.

Decius.

Mir entschwanden

Ehre, Freunde, selbst das Seyn;

Und von solcher Qual umgeben,

Sollt' ich beben?

Nichts verlieren kann ich, nein!

Denn mein kleinstes Gut ist Leben.

Weh! es wagt mit rohen Händen

Zu entheil'gen ein Barbar

Solcher Reize Weihaltar,

Und der Schönheit Dienst zu schänden.

Welch Verblenden!

Meine Qual, wie groß, wie schwer!

Ha, Zenobia, Tod dem Frechen!

Sein Verbrechen

Gegen dich verlang' ich mehr,

Als die eigne Schmach, zu rächen.

Astraea.

Willst du mit dem Tod' ihm lohnen,

Gieb den Plan, die Hand geb' ich.

Decius.

Schweig'; es nahn zwei Bauern sich.

L i v i u s  und  I r e n e  treten auf, als Bauern gekleidet.

Livius.

Trägst du gleich von Nationen

Heut die Kronen, Rom, doch fühlst du meine Rache.

Astraea.

(zu Decius)

Hülfe will ich dir erweisen;

Denn zu preisen

Als gerecht ist deine Sache,

Und der Himmel weiht das Eisen.

(A s t r a e a  und  D e c i u s  gehen ab.)

Irene.

Ferne von des Todes Bahnen,

Livius, bist du jetzt in Rom,

Wo der Rache voller Strom

Sich ergießt für Aurelianen.

Laß dich mahnen

An die List, die aus den Händen

Des Barbaren dich befreit,

Sey gescheidt;

Denn den zweiten Spruch zu wenden

Ist kein zweiter Ring bereit.

Livius.

Du erhielst, ich muß gestehn,

Mir das Leben; doch vergönne,

Daß von deiner Gab' auch könne

Die Verwendung frei geschehn.

Du wirst sehn,

Treff' ich ihn, wie aller Noth

Mich der Rach' erfülltes Streben

Wird entstehn.

Minder herb' ist ja der Tod,

Als ein hoffnungsloses Leben.

Tödten ließ ich Odenathen,

Um der Herrschaft hohes Gut.

Hab' ich doch verkauft mein Blut

Und mein Vaterland verrathen!

Meinen Thaten

Folgte bald der Strafe Schrecken,

Wie mit roher Henkerplage;

Und nun sage:

Was kann Zagen mir erwecken,

Wenn ich vor dem Tod nicht zage?

Irene.

Wohl, so sterb' Aurelian,

Ist mein Wunsch und Rath vergebens;

Standhaft, bis zum Ziel des Lebens,

Folg' ich, Livius, deiner Bahn,

Nichts fortan

Giebt es, was von dir mich zöge,

Kein Vergessen, Wanken, Leid,

Keine Zeit.

Sehen soll man, was vermöge

Eines Weibes Zärtlichkeit.

Livius.

Daß wir ganz allein ihn sehn,

Ist das nöthigste der Stücke.

Du, ohn' allen Schein von Tücke,

Mußt zu seinem Throne gehn,

Wie zu flehn

Um Gerechtigkeit, als wärest

Du beleidigt; wenn mein Hoffen

Eingetroffen,

Bleibt, indeß du Recht begehrest,

Kühner Rache Bahn mir offen.

Leise werd' ich mich ihm nahn,

Wenn er achtet auf dein Sprechen,

Und mit meinem Dolch durchstechen

Den Tyrannen.

Irene.

Hoch hinan

Strebt der Plan,

Den dein kühner Geist ersonnen.

Doch, wie dann dich fortbegeben?

Livius.

Thöricht Streben!

Hab' ich Rache nur gewonnen,

Frag' ich wenig nach dem Leben.

(beide ab.)


Zimmer im kaiserlichen Palast.

Zenobia tritt auf.

Zenobia.

Selber frei von Liebeszwang,

Will ich sehn, ob mir's gelinge,

Daß die Schönheit ihn bezwinge,

Da die Macht ihn nicht bezwang.

Mir zu Füßen ihn zu sehn,

Hab' ich kühnlich einst geschworen;

Liebe, Schönheit, List, erkoren

Hab' ich euch, mir beizustehn!

Ha! vielleicht doch beug' ich nieder

Diesen rauhen, stolzen Muth,

Heuchelnd Lust und Liebesglut.

Ja, ein Weib nun bin ich wieder;

Ja, nun zeig' ich, daß ich's bin,

Mit den eignen Waffen kriegend

Und durch Liebestrug besiegend

Des Barbaren stolzen Sinn.

A u r e l i a n  tritt auf.

Aurelian.

(bei Seite)

Ah, Zenobia! Doch ich lebe

Als ein Blinder heut im Glanz,

Und, als Liebesphoenix, ganz

Eingehüllt in Glutgewebe,

Bin ich dennoch blind.

Zenobia.

(bei Seite)

Ich bebe!

Aurelian.

Was will Liebe?

Zenobia. Was verspricht

Mir der Trug?

Aurelian.

O reines Licht!

Zenobia.

O der Wildheit in den Zügen!

Welch Entsetzen!

Aurelian.

Welch Vergnügen!

Zenobia.

Welche Mißform!

Aurelian.

Welch Gesicht!

Zenobia.

(knieend)

Herr, zu euern Füßen fällt

Willig eure Sklavinn nieder,

Die von euch noch einmal wieder

Sich für überwunden hält,

Macht und Liebe sind gesellt,

Daß euch Palmen nimmer fehlen;

Denn ich kann mir's nicht verhehlen:

Ihr besiegt, wie in der Schlacht

Jedes Leben durch die Macht,

So durch euern Werth die Seelen.

Wie die Kraft euch Sieg gegeben,

Fesselt ihr durch Liebeshuld;

Und so muß ich in Geduld

Mich zum zweitenmal ergeben.

Ja, um ganz beglückt zu leben,

Laßt mich eure Knie' umfahn.

Aurelian.

Ha, du hebst mich himmelan!

Decius erscheint im Hintergrunde.

Decius.

Dieses ist Zenobiens Wohnung,

Wie ich glaube.

(die beiden erblickend.)

Himmel, Schonung!

Welch ein Anblick! Ist es Wahn?

Aurelian.

(Zenobien aufrichtend)

Auf vom Boden, Königinn!

Denn ein Graun erregt es, fallen

Sterne von des Himmels Hallen

Demuthsvoll zur Erde hin;

Und schon fühl' ich meinen Sinn

Wie von tollem Wahn entbrannt,

Den ich nie zuvor empfand.

Wahrlich, des erblickte nimmer

Solcher Götterreize Schimmer,

Der den Willen frei genannt.

Wiss', es werden oft gefunden

Zwei der Pflanzen, jedes Gift,

Wenn man sie nur einzeln trifft,

Heilsam, trifft man sie verbunden.

An mir selbst hab' ich's empfunden;

Ueber Reiz, vereint mit Macht,

Hab' ich leicht den Sieg vollbracht;

Jetzo, von der Macht geschieden,

Steht der Reiz in sicherm Frieden

Und ist mir zum Gift gemacht.

Wer sah solche Marter? Wer?

Deiner Schönheit Macht zu beugen,

(Das kann meine Qual bezeugen)

Kostet wie der Feinde Heer

Kleiner wird, mich um so mehr.

O ihr Sinne, feige Thoren!

Gebt ihr euch so leicht verloren?

Fliehet, flieht den Schmerz der Hehren!

Augen, seht nicht ihre Zähren!

Hört ich Schmeicheln nicht, ihr Ohren!

Warum so vor mir erscheinst du,

Zur Vermehrung meiner Plage?

Crocodil, Sirene, sage:

Warum singst du? Warum weinst du?

Ha, mich zu bezwingen meinst du?

Trotz dem Weinen, trotz dem Singen,

Will ich dennoch  d i c h  bezwingen;

Und, ohn' einer Hoffnung Scheinen,

Magst du seinen Fall beweinen,

Magst du meinen Sieg besingen.

(ab)

Zenobia.

Was noch gibt's, das ihn verderbe,

Da ich durch verstellte Liebe,

Doch so ähnlich wahrem Triebe,

Mir so schlechten Lohn erwerbe?

Decius.

(sich nähernd, für sich.)

Kann ich, wenn ich liebend sterbe,

Schweigend leben? Wehe mir!

Zenobia.

Welcher Frevler horchte hier?

Decius.

Ich, Zenobia; (ich vergehe!)

Wann vernahm ihr eignes Wehe

Nich unsel'ge Neubegier?

Zürne nicht , o Königinn!

Dem zu kühn verrathnen Triebe;

Denn für Eifersucht und Liebe

Reicht, zugleich, mein Herz nicht hin.

Ich bin's, der mit keckem SIchh

Hob zur Sonne sein Gesicht,

Angelockt von deinem Lichz;

Doch, wenn Liebe zu ertragen

Auch vermogte Schmerz und Plagen

Eifersucht vermag es nicht.

Sie vermag's nicht dein Verschmähen mich,

Sondern schmerzt mich dein Vergessen.

Das ich Qual, nicht zu ermessen!

Zenobia.

Gleiche Wirkung tritt hier ein;

Denn es schmerzt mich deine Pein,

Nicht die meine. (bei Seite) Kann ich eben,

Ohne ganz mich kund zu geben,

Ihm Befriedigung verleihen?

(laut)

Soll so kühnem Unverstand

Etwas als Entschuld'gung gelten,

Wohl, so mußt du Thorheit schelten,

Was du Eifersucht genannt.

Ja, dem Himmel ist's bekannt,

Decius, nur um zu schauen

Mir zu Füßen jenes rauhen

Mächt'gen Kaisers Uebermuth,

Heuchelt' ich ihm Liebesglut,

Gleich mich stellend andern Frauen.

Durch die Liebe, war mein Plan,

Seinen Hochmuth zu bezwingen;

Nur um dieses zu vollbringen,

Wandt' ich solche Täuschung an.

Merke dir's, daß nicht dein Wahn

Strebe nach so hohem Schimmer;

Nie Verzeihn, Bestrafung immer

Wäre solcher Kühnheit Frucht;

Denn von Lieb' und Eifersucht

Wußte meine Seele nimmer.

(ab)