Theatertexte

Don Pedro Calderon de la Barca

Zweiter Aufzug.

Zenobiens Lager.

L i v i u s und I r e n e treten auf.

Irene.

Sey nur ruhig!

Livius.

Wenn ich eben

Sehe, durch so blindes Thun,

Meinen Plan vereitelt nun

Und entdeckt mein heimlich Streben?

In dem Trank, den man ihm bot,

Durch des stärksten Gifts Vereingung,

Trank dich Odenath, in Meinung

Daß es Leben sey, den Tod.

Dacht' ich doch, bei diesem Schlage

Würde m i c h das Volk erwählen,

Daß ein Haupt nicht mögte fehlen

In der unglücksel'gen Lage,

Welche Rom herbeigeführt!

Doch man gab den Führerstab

Nicht allein nicht mir, man gab

Ihn Zenobien, die ihn führt

Mit so weiblich holdem Reiz,

Mit so männlichem Entschlusse,

Alles mit nur zum Verdrusse,

Daß sie nun dreimal bereits,

Wie du sahst, dem Gegenrennen

Jenes Kaisers widerstand,

Welcher jetzt, zurückgewandt,

(will man's nicht geschlagen nennen)

Harrt auf Beistand, den die Lande

Persien und Aegypten senden.

Sie nun (und ich kann's nicht wenden!

Große Götter, welche Schande!)

Sie hat, eh die Bundesschaar,

Die er hofft, ihm zugekommen,

Ihn zu suchen unternommen.

Läßt das Glück nun offenbar

Immer mich vergebens werben,

Läßt es alles ihr gedeihn:

Sprich, wie kann ich ruhig seyn?

Nein, Irene, laß mich sterben.

Irene.

Ihres Muths und Geistes Glorie

Ist so groß, daß sie bei Nacht

Siege schreibt, so Tags volbracht;

Morgenländische Historie

Nennt sie's. - Doch hoher Muth

Wird dem Schicksal nicht erliegen;

Ich bin Weib, und niue besiegen

Soll ein Weib dies stolze Blut.

Eile, soll die That geschehn,

Einen neuen Plan zu schmieden;

Zur Vollführung fest entschieden

Bin ich hier, und du sollst sehn,

Ob ich's mit Zenobien mache,

Wie ich's Odenathen that.

Livius.

Das soll nicht geschehn; mir naht

Jetzt auf andrem Weg die Rache.

Aurelian soll nun mich rächen.


Z e n o b i a tritt auf, in schwarzen Waffen und Trauerkleidern,

in einem Buche lesend. S o l d a t e n folgen ihr.

Zenobia.

(bei Seite)

Was soll rächen Aurelian?

Irene.

Die Monarchinn!

Zenobia.

(bei Seite)

Ach! fortan

Wird mir Ruhe stets gebrechen.

Lieb ist dein Begenen mir, (laut)

Livius.

Livius.

Auf dein Befehlen

Harrt' ich bloß.

Zenobia.

Du sollst erzählen,

Was man von Zenobien hier

Sagen mag.

Livius.

Ist's meine Pflicht,

Ihre Thaten zu beschreiben?

Zenobia.

Dem Gedächtniß einverleiben

Sollst du sie, beschreiben nicht.

Livius.

Man sagt nichts. (bei Seite) Wie sie mich plagt!

O, mein Herz will sich empören!

Zenobia.

Weißt du's nicht, so sollst du hören,

Was man von Zenobien sagt;

Denn ich las es hier soeben.

Höre nur! (bei Seite) Verdacht voll Graun!

Ohn' ihm alles zu vertraun,

Will ich meine Klag' erheben.

(sie liest)

Mit den Römerschaaren allen

Kam, als Decius übermannt,

Aurelian in's Morgenland,

Dessen Macht ihm längst mißfallen.

Er umringt der Feindinn Schaaren,

Greift sie mit gewalt'ger Zahl

Dreimal an, und muß dreimal

Schmach und Niederlag' erfahren.

Sich zurückzuziehn gezwungen,

Muß er nun auf Beistand hoffen;

Doch, eh dieser eingetroffen,

Wird, von Kriegesmuth durchdrungen,

Sie verderblich ihm erscheinen,

Daß, die ihm zu helfen denken,

Sich in seinem Blut ertränken;

Daß Aegypter, Perser, keinen

Finden, dem sie Beistand geben,

Wann sie sehn auf diesem rothen

Schlachtfeld Mauern nur von Todten

Und mit Blut gefüllten Gräben.

Heut noch einen Kampf zu wagen

Ist sie, wie man sagt, bedacht;

Und den Ausgang dieser Schlacht

Wird man in der Folge sagen.

Livius.

Auch schon jetzt kann ich es thun.

Zenobia.

Und wie, denkst du, wird sich's finden?

Livius.

Sie wird gehn und überwinden.

Zenobia.

Livius, höre weiter nun.

(lesend)

Um die Zeit erblich ihr Gatte;

Und bald war ein Frevler da,

Der verwegen, als er sah,

Daß ein Weib die Herrschaft hatte,

Wiegelt' auf die Unterthanen,

Und dem röm'schen Uebermuth

Hülfe darbot und Tribut,

Um sich so den Weg zu bahnen

Zur Regierung, und sodann

Seinen schönen Plan vollkommen,

Zu vollziehn. (sprechend) So wird vernommen,

Ob ich's wohl nicht glauben kann.

Doch, bei'm höchsten Gott! geschähe

Dies zu irgend einer Zeit;

Hielt' ich solcher Niedrigkeit

Jemand fähig, oder sähe,

Ahnte nur, in meinem Lande

Solchen feigen Missethäter,

Solchen schmälichen Verräther,

Der sich, ohne Schaam und Schande,

Thöricht und verrückt, an mir

Eines Frevels wollt' erfrechen

Dann würd' ich so zu ihm sprechen,

Wie ich spreche jetzt zu dir:

Ist es möglich, nicht zu sehn,

Daß, wer bei gelegner That

Sich erfreuet am Verrath,

Den Verräther wird verschmähn?

Freut man sich auch jenes, immer

Haßt man den Verräther endlich;

Und ein Mittel, schlecht und schändlich,

Führt zu Ruhm und Ehre nimmer.

Eben wer am höchsten steht,

Trägt des größten Schimpfes Bürde,

Wenn schon der Besitz der Würde

Seine ganze Schmach verräth.

Ich bin deine Königinn,

Meine Hand kann dich verderben;

Doch so edlen Tod zu sterben,

Wäre, Frevler, dir Gewinn;

Und vielleicht wird, minder glimpflich,

Henkershand dich einst erschlagen.

Livius.

Herrinn...

Zenobia.

Dies würd' ich ihm sagen,

Kennt' ich ihn.

Livius.

Es wäre schimpflich,

Wollt' ich Antwort mir erlauben.

Was du sagtst, geht mich nicht an;

Ich was stehts dir zugethan.

Zenobia.

Livius, wie kann ich glauben,

(Ob's die Welt auch so erachte)

Daß auf meinem eignen Blut

Ein so großer Schandfleck ruht?

Sorge nicht; vielmehr betrachte

Meine große Zuversicht.

Denn hoff' ich des Sieges Beute,

So geschieht es nur, weil heute

Mir dein Schwerdt zur Seite ficht.


P e r s i u s tritt auf.

Persius.

Dir zu Fuß...

Zenobia.

Andronius,

Sey willkommen; minder zwar

Hofft' ich nicht von dir.

Persius.

'S ist klar.

Auf des Teufels Antrieb muß (bei Seite)

Ich ein Held seyn.

Zenobia.

Was gibt's Neue ?

Persius.

Daß aus Persien schon der Feind

Naht und morgen hier erscheint

Mit gewalt'ger Macht; ich scheu' es,

Sie zu schildern, daß der Schrecken

Nicht sie zu vergrößern scheine.

Zenobia.

Zeit nun ist es, im Vereine,

Der Gefahr mit festem, kecken

Muth zu trotzen. - Auf, Soldaten!

Dies ist der erhabne Tag,

Wo eur Ruhm sich zeigen mag

Durch bewundrungswürd'de Thaten.

Heute stehen uns die Krieger

Roms entgegen; Siegesbeute

Sey Aurelien und heute;

Morgen werden wir die Sieger

Persiens seyn. Die Luft durchschalle

Trommeln- und Trommetenklang,

Daß, vermischt, vom Felsenhang

Ihn das Echo wiederhalle,

Um den Himmelsraum zu füllen.

Laßt die muntern Hörner tönen,

Die geschlagnen Felle stöhnen

Und des Erzes Stimme brüllen.

Schlachten, blutig, ungeheuer,

Mache kund durch wilde Störung

Aller Element' Empörung,

Erde, Wasser, Luft und Feuer;

Denn zu solcher Götterglorie

Dräng' ich mich zuerst hinan,

Und, auf sichrer Heldenbahn,

Ruf' ich, vor dem Kampf: Victorie!

(Trommeln und Trompeten. Alle gehen mit

gezogenen Schwerdtern ab.)


F r e i e s F e l d.

A u r e l i a n , A s t r a e a, der H a u p t m a n n und S o l d a t e n treten auf.

Astraea.

Glück und Siege sonder Makel

Hat der Gott, der für dich streitet,

Dir auf diesen Tag bereitet;

Denn so sagte das Orakel:

"Du wirst gehn und überwinden;

Nicht besiegt wirst du im Kriege."

Aurelian.

Harre, stolzes Rom, dem Siege,

Wozu Götter sich verbinden,

Heut entgegen. Tausendfache

Wut erregt mir dies Vertrauen;

Heut, Zenobia, sollst du schauen

Deine Straf' und meine Rache!

(Alle ab mit

gezogenen Schwerdtern.)


D e c i u s tritt auf, sein Gesicht mit Zenobiens Schärpe verhüllt.

Decius.

Heut, Zenobia, was ich bin

Und vermag, sollst du erfahren.

Heil, Monarch der Römerschaaren!

(ab)

S t i m m e n. (außerhalb)

Heil, Palmyra's Königinn!

(Kriegsmusik; Schlachtgetümmel; Angriffe und Rückzüge von

beiden Seiten. Endlich weichen die Römer.)


Wilde Felsgegend; zur Seite eine Höhle, im Hintergrunde ein

Fluß mit einer Brücke.

A u r e l i a n und A s t r a e a treten fliehend auf.

Astraea.

Wendet Kühnheit auch den Schlag,

Da der Himmel dich zur Beute

Dem Verderben giebt? Denn heute

Ist für Rom ein Unglückstag.

Deine Schaaren, fliehend schon,

Lassen dich allein, voll Wunden.

Aurelian.

Du hast, mit Apoll verbunden,

Mir bereitet diesen Hohn.

Wider mich ist seine Hand,

Da er mich, bei solchem Plane,

Anreitzt und belügt.

Astraea.

Ich ahnte,

Daß ich unrecht ihn verstand;

Denn was im Orakel liege,

Glaub' ich jetzt erst recht zu finden:

"Du wirst gehn, und überwinden

Nicht; besiegt wirst du im Kriege"

Aurelian.

Trügerische Priesterinn,

Falsch und heuchlerisch gleich jenen

Arglist sinnenden Sirenen;

Lügenhafte Seherinn!

Deine falschen Deutelei'n

Sollst du jammervoll beklagen;

Du sollst nun die Strafe tragen,

Denn die Schuld trägst du allein.

Stirb, verruchtes Weib! An dir

(Lacht Apollo meiner Wut)

Kühl' ich meines Zornes Glut.

Diese Höhle. . .

(Er stürzt sie in die Höhle hinab.)

Astraea.

Wehe mir!

Aurelian.

Sey dein Grab, wenn du's nicht findest

In des Wildes Eingeweiden,

Weil du boshaft zu umkleiden

Jenen Spruch die unterwindest,

Den Apoll, der heil'ge, gab;

Ja, und glaubt' ich, daß zum Spotte

Ich gedient dem Sehergotte,

Stürzt' ich wohl auch ihn hinab.

(sich umsehend)

Meine Völker fliehn voll Grauen;

Nun wohlan, dem Feind entgegen!

Ich will sehn, ob er verwegen

Wird dem Tod in's Auge schauen. -

Weib, wer bist du? Sag' es mir!

Strahlend auf des Ruhmes Thron,

Sprich, für Männer welcher Hohn!

Sprich, für Frauen welche Zier!

(ab)

Kriegsgetöse. Z e n o b i a tritt auf mit gezogenem Schwerdte,

eine Binde um den Arm.

Zenobia.

Einsam hab' ich und verborgen

Mich entfernt von meinen Siegen

Und dies Waldgebirg erstiegen,

Um die Wunde zu besorgen,

Derenhalb ich diesen rauhen

Berg zum Schauplatz meiner Rache,

Rom, und deines Todes mache.

Astraea.

(in der Höhle, sich beklagend.)

Ach, unseligste der Frauen!

Zenobia.

Weh! Mir däucht, ich höre hier

Eine Stimme, bang und zagend,

Als unselig mich beklagend.

Astraea.

Heute, heute rächt an dir

Sich die Wut.. . .

Zenobia.

Was muß ich hören?

Astraea.

Des abscheulichen Verräthers,

Des gekrönten Missethäters.

Zenobia.

All mein Blut will sich empören;

Denn das Echo hör' ich sprechen,

Daß, durch schändliche Verräther,

Ein gekrönter Missethäter

Heut an mir sich werde rächen.

Astraea.

Schon verwundet und voll Blut . .

Zenobia.

Wohl verwundet, wie ich sehe.

Astraea.

Bald, zur kläglichen Trophaee,

Dienst du frechem Uebermuth.

Zenobia.

(umher spähend)

Jemand, der durch diese Töne

Mich zu ängstigend bezweckt,

Hat sich hier versteckt.

Astraea.

Weh, weh! unglücksel'ge Schöne!

Zenobia.

Doch ich finde keine Spur.

Ha, Zenobia, kannst du beben,

Da der Sieg die Ruhm geben

Wartet? Täuschung war es nur.

Fort, zum Sieg mich zu ermannen!

Mich schreckt nichts auf dieser Erde

Bis ich zur Trophaee werde

Dem Verräther und Tyrannen.

(ab)


L i v i u s tritt auf.

Livius.

Heimlich macht' ich mich hierher

Um mit Aurelian zu sprechen

Und zum Thron die Bahn zu brechen.

Astraea.

Komm, Verräther! hast du mehr

Rauheit noch, so zeig' es hier;

Denn, Tyrann, fliehst du von hinnen,

Wirst du hohen Platz gewinnen.

Livius.

Scheit es doch, man spricht von mir.

Astraea.

Sey zugleich voll Stolz und Wut,

Ein Tyrann und ein Barbar.

Livius.

Ha, was säum' ich noch? Fürwahr,

Mich entflammt ein neuer Muth,

Da zum Stolz, zur Grausamkeit

Jetzt des Himmels eigne Stimme

Mich ermahnt, vielleicht im Grimme

Ob des Weibs Vermessenheit.

Wohl sterbe! Denn zum Throne

Fehlt es mir an Ehrgeiz nicht,

Wenn sein Beistand mir verspricht

Einen höhern Platz zum Lohne.

(ab)


Man rührt die Trommeln. D e c i u s tritt auf, eine Fahne in

der Hand.

Decius.

Rom, den Sieg schaff' ich dir heute,

Kostet's auch Zenobiens Leben!

Kund soll diese Fahne geben,

Welchen Ruhm so edle Beute

Meiner Tapferkeit gebracht.

So geziemt es meiner Ehre;

Berg, bewahre sie! Ich kehre

Nun zurück zur wilden Schlacht.

(Er verbirgt die Fahne im Gesträuch.)

Astraea.

Wirf nun ab des Zornes Waffen,

Großer Kaiser, schone mein!

Höhern Ruhm wird das Verzeihn,

Als die Strenge, dir verschaffen.

Decius.

Welche Stimm' ertönet hier,

Die mein staunen Ohr vernahm,

Und nicht weiß, woher sie kam?

Zu wem spricht sie wohl?

Astraea.

Zu dir,

Kaiser Roms, tönt eines armen

Unglücksel'gen Weibes Stimme.

Laß nun ab von deinem Grimme;

Komm und schenke mir Erbarmen!

Decius.

Mit dem Kaiser will sie sprechen;

Wäre der, mit dem sie spricht,

Etwa hier?

Astraea.

Er hört mich nicht.

Nur um meinen Schmerz zu schwächen,

Schallt mein fruchtlos Klaggewimmer.

Großer Kaiser, noch nicht eilst du

Mir zu helfen?

Decius.

Wo verweilst du?

Astraea.

In der Höhle hier.

Decius.

Noch immer

Wächst mein Staunen. Hier, ganz nah,

Ist ein Schlund, tief, ungeheuer;

Welch ein seltsam Abentheuer!

Ist da drinnen Jemand?

Astraea.

Ja;

Hilf mir!

Decius.

Ich bin nicht der Mann,

Dem du rufst; doch sollst du schauen,

Daß ich bald vom Todesgrauen

Dich erlöse; denn ich kann

Leicht hinein zu diesem Schlunde.

Sprich, wo bist du?

Astraea.

Näher noch!

Blind vom Blute, denk' ich doch,

Daß in diesem tiefen Grunde

Mich die Hoffnung sehend mache;

Solcher Kraft erfreuet sich

Lebenstrieb.

(Decius steigt in die Höhle und trägt Astraea auf seinen

Armen heraus, mit Staub bedeckt und mit blutigem Gesicht.)

Decius.

Astraea, sprich,

Was ist dies?

Astraea.

Es ist die Rache

Eines Kaisers, dem ich hier

Flehend zurief, um durch Klagen

Zu erleichtern meine Plagen.

Und weil nun mein Auge dir

Nur verdankt das Licht der Sonne,

Laß mich dir zu Füßen fallen;

Dieser Boden, wo sie wallen,

Ist ein Himmel mir voll Wonne.

Decius.

Du bist blutig; geh' und labe

Deine Glieder jetzt. Nicht fern

Ist mein Zelt..

Astraea.

Ich fühl' es gern,

Decius, daß aus dem Grabe

D u mein Leben hast befreit.

Decius.

Weilen kannst du dort verborgen;

Denn mich rufen andre Sorgen

Nun zurück zum wilden Streit.

Wo zum zweitenmal die Schaaren

Wanken, eil' ist jetzt mit Macht

Beizustehn.

Stimmen

(außerhalb)

Zur Schlacht! Zur Schlacht!

Astraea.

Mögen Götter dich bewahren;

Ruhm und Rache sey dein Lohn!

Kehre stolz und freudig wieder,

Stürze Roma Tyrannen nieder

Und besteige seinen Thron!

(Sie geht ab. Kriegsgetöse)

Decius.

Seit Aurelian dem flüchtgen,

Seiner Kraft beraubten Heere

Wieder frischen Muth verliehn,

Greift es an mit neuer Stärke.

Jetzt wird Aurelian erfahren,

Daß den Sieg ein Weib erfechte,

Was so tapfer ist, als schön,

Und du - o vergib, Zenobia!

Daß, um wider dich zu kämpfen,

Sich mein Muth erproben muß,

Wünsch' ich gleich die Ruhm und Ehre.

A u r e l i a n tritt auf.

Stimmen.

(außerhalb)

Dies ist Aurelian; er falle!

Aurelian.

Rette mich, o Himmel, rette!

Oeffne sich die Erde hier,

Um mich schnell in ihrem ew'gen

Dunkel lebend zu begraben,

Daß ich auch mich selbst nicht sehe.

Ha, ein Weib vermag so viel?

Kann durch Schönheit und durch Stärke

Rom des alten Ruhms berauben?

Decius.

Himmel! Aurelian ist jener.

(Er verhüllt sein Gesicht mit der Schärpe und nimmt die

weggelegte Fahne wieder auf.)

Aurelian.

Dich, o heldenmüth'ger Krieger,

(Denn an diesen Adlern, welche

Auf dem Schilde, den du führst,

Kühn den Flug zur Sonne wenden,

Seh' ich wohl, du bist ein Römer)

Dich ersuch' ich jetzt, verwende

Mir zum Schutz die Tapferkeit,

Welche Rom von dir begehret.

Ich bin Aurelian, dein Kaiser;

Doch von solcher Noth umdränget,

Daß ich, schimpflich überwunden,

Fliehen mögte vor mir selber

Rett' ein Leben, das in deinen

Händen ist!

Decius.

Warum, durch Flehen,

Kommst du meinem Muth zuvor?

Da es gnügte, dich zu kennen,

Um für dich zu sterben; wenn

Rühmlich sterben, sterben wäre.

Bringe dich in Sicherheit

Und gieb Acht auf meine Rede:

Jene Brücke, die du siehst,

Ist der Weg zu deinem Zelte;

Denn die beiden Lager seidet,

Dort der rasche Lauf des Euphrats;

Und s o schwör' ich sie zu decken,

Daß von allen, so dir folgen,

Nicht ein einz'ger sie durchbreche,

Bis ich selbst das Leben lasse.

Aurelian.

(ihm seinen Feldherrnstab reichend.)

Mild und kühn ist deine Seele.

Nimm denn diesen Stab; durch ihn

Geb' ich die mein Wort, mir selber

Dich im Reiche gleich zu machen,

So daß ich dich lieb' und ehre

Mehr, als ich den Decius hasse.

Diese Schmach - nur seinetwegen

Kränkt sie mich; in d e r Beschämung,

weiß ich wohl, wenn er mich sähe

Durch ein Weib besiegt - mich würde

Schon sein Anblick tödtlich werden.

Decius.

Einst erfährst du, wer ich bin.

Aurelian.

Da du mir das Leben rettest,

Um den Thron mit mir zu theilen,

Sey nur Decius nicht, sonst jeder.

(geht über die Brücke ab.)


Z e n o b i a tritt auf mit S o l d a t e n

Erster Soldat.

Diese Brücke führt hinüber.

Zenobia.

Ha, ich tödt' ihn, oder nehme

Ihn im Zelt gefangen!

Decius.

Möglich!

Wenn ich diesen Paß nicht deckte.

Zweiter Soldat.

Wie? Ein Einz'ger widersetzt sich

Einer Schaar?

Zenobia.

Du scheust entweder

Die Gefahr nicht, die du siehest,

Oder hassest wohl das Leben.

Decius.

Das nicht; doch die Ehr' entflammt

Solche Glut in meinem Herzen,

Daß mein Schwerdt nur Blitze schleudert.

Zenobia.

Wärst du Jupiter, und wäre

Dieser Berg dein Schwerdt: ich muß

Dort hinüber. (bei Seite) Aber hemme

Dich, du ungestümer Muth!

Dies ist Decius, wenn die Schärpe

Nicht mein Auge täuscht, womit

Er sein Angesicht bedecket.

Decius.

(bei Seite)

Wehe mir! Das ist Zenobia.

Ha, wie stürzen Lieb' und Ehre

Mich in gräßliche Verwirrung!

Zenobia.

(zu einem der Soldaten)

Marcius, laß die Schaar sich wenden;

Ich allein will diesen Pfad

Jetzt erkämpfen.

Erster Soldat.

Sieh. . .

Zweiter Soldat.

Bedenke. . .

Zenobia.

Nichts ist zu bedenken.

Zweiter Soldat.

Wohl denn;

Doch wir bleiben nahe.

(Die Soldaten gehen ab.)

Zenobia.

Wärest du nicht Decius?

Decius.

(sich enthüllend)

Ja, Zenobia;

Und mich freut's, dich hier zu sehen,

Wo's in deinen Händen steht,

Mir zu helfen, mich zuu ehren.

Zenobia.

Mich auch freut's, dich hier zu sehn,

Wo's in deine Macht gegeben,

Bloß wenn du dich nicht vertheidigst,

Sichern Sieg mir zu gewähren.

Ich verfolg' Aurelianen,

Will, mit fest entschloßnem Streben,

Nun ihn tödten oder fangen,

Dort, in seinem eignen Zelte.

Niemand wehret mir den Zugang,

Außer dir. Hier hast du eben

Die Gelegenheit zur Rache.

Laß mich hin, und dies erwäge:

Treff' ich ihn, so räch' ich dich;

Und wir all', auf einmal, werden,

Ich befriedigt, du geehrt,

Er besiegt seyn, und drei Zwecke

Werden wir zugleich erreichen.

Decius.

Da du jetzt, auf solchem Wege,

Das Gefecht beginnst mit Gründen,

Will ich, dich zu widerlegen,

Mich bemühn. - Aurelian

Hat sich, ohne mich zu kennen,

Eben meinem Schutz vertraut.

In so großer Noth Gedränge,

Gab ich ihm mein Wort, zu schützen

Diesen Weg, bis meine Seele

Wär' entflohen vor der Kraft

Deiner hartgestählten Schwerdter.

Sieh, ob ich, es zu erfüllen,

Schuldig bin. Und da du denkest

Mich durch Gründe zu besiegen,

Soll dich d e r zur Rückkehr lenken:

Schon ist Aurelien besiegt,

D e r Triumph ist dir gegeben;

Laß, Zenobia, mich den andern

Nun erwerben, i h n zu decken,

Der mein Feind ist. Gönn' ihn mir;

Und wir all', auf einmal, werden,

Du befriedigt, ich geehrt,

Er besiegt seyn, und drei Zwecke

Werden wir zugleich erreichen,

Aber weiser noch und edler.

Zenobia.

Mein Grund ist der beßre doch:

Ist es denn nicht dein Begehren,

Daß für Aurelians Beleid'gung

Ich dich rächen soll? Deswegen

Bist du mir zu helfen schuldig,

Da jetzt meiner Ehre Streben

Dahin geht, dir die geheischte

Rache zu verleihen.

Decius.

Du selber

Hast dich jetzo widerlegt.

Seit ich deinen Schutz begehrte,

Läuft hinfort auf deine Rechnung

Meiner Ehre Schuld; deswegen

Mußt du über sie so achtsam

Wachen, daß, wenn ich zum Herrscher

Roma's dich erheben wollte

Durch so schändliche Verträge,

Du es weigern müßtetst, nur

Daß ich kein Verräther werde.

Zenobia.

MIr entgehet in diesem Falle

Der Triumph; doch dir entgehet

Nicht der Ruhm.

Decius.

Ja, er entgeht mir.

Zenobia.

(vorschreitend)

Lass. . .

Decius.

Zenobia, laß dir wehren;

Sonst, bei Gott! müßt' ich dich tödten.

Doch, da ich als Weib dich kenne,

Dem man wohl von Ehrensachen

Reden darf, obwohl du gegen

Mich in diesem Fall erscheinst,

Will ich deinen Rath begehren.

Setze dich in meine Lage;

Denn dasselbe, was du thätest,

Werd' auch ich thun.

Zenobia.

Wen ich hier

Mich auf diesem Platz befände,

So verpflichtet, als du bist,

Würd' ich, ihn vertheidigend, sterben.

Decius.

Und wär', ihn zu nehmen, wichtig

Einem theuren Freunde?

Zenobia.

Schenken

Darf man mehr nichtseinem Freund,

Als der Ehre.

Decius.

Aber wär' es

Nun ein höchst geliebtes Weib?

Zenobia.

Lieber würd' ich Ruhm und Leben

Tausenmal verlieren. - Eitler!

Du erkühnst dich, so vermessen

Zu gestehn, daß du mich liebest?

Decius.

Was ich sprach, kann dich nicht kränken;

Bist du nicht. . .

Zenobia.

Wohlan, zum vor'gen

Rath will ich zurück mich wenden:

Schützen mußt di diese Platz,

Dich vertheid'gen oder sterben.

Decius.

Wenn ein Weib schon fähig ist,

So beherzten Rath zu geben,

Was werd' i c h thun, ihn befolgend?

Zenobia.

Und hieltest

Du sein Leben werth?

Decius.

Ich gäbe

Dennoch ihm den Tod.

Zenobia.

Und, sage,

Wenn vielleicht nun dieser Gegner

Jemand wäre, den ich liebte?

Decius.

Himmel! Liebst du mich? Dann werde

Tausendfachem Sieg entsagt.

Eilen will ich. . .

Zenobia.

Steh', o stehe!

Ich bin nicht. . .

Decius.

Wohlan, zum vor'gen

Rath will ich mich wenden:

Tödte mich! Denn wahrlich, heiuter,

Stolz und glücklich werd' ich sterben,

Wenn ich sehe, daß mein Tod

Deinen Beifall mir erwerbe.

Zenobia.

Um d e n Ruhm dir nicht zu gönnen,

Tödt' ich nun dich nicht, zugeben

Will mein Ehrgeiz keinem Römer,

Von der Welt gerühmt zu werden

Als so tapfer, unbesiegbar,

Heldenmüthig, stolz und strenge

Daß er lebe so gebeugt

Und so edeln Todes sterbe.

Du entreißest mir den Sieg!

Decius.

Doch wenn dir der Sieg entgehet,

So erwäge nun: du selbst

Giebst den Anlaß mir, zu denken

Daß du liebst; darum befolge

Jenen Rath.

Zenobia.

Ich könnt' entgegnen,

Daß du nicht denken sollst;

Doch was liegt d'ran, daß du's denkest

(Beide gehen zu verschiedenen Seiten ab.)


R ö m i s c h e s L a g e r.

A u r e l i a n tritt auf, Soldaten folgen ihm.

Aurelian.

Jupiter, großer König!

Ist deinem Arm das Weltall unterthänig,

Sprich, wie kann deine Gottheit nur erlauben

Daß Roma's Ehr' ein Weib sp möge rauben?

Du bist kein Gott der Stärke;

Kein Todesbollwerk sind uns deine Werke.

Du, Mars, der sich, gehüllt in Ring' und Eisen,

Als blut'gen Gott der Schachten lässet preisen,

Wie? Deinen Nacken drücket

Ein Weib, das sich mit Roma's Lorbeer schmücket?

Du bist kein Gott der Helden;

Lug, was von dir Gestalt und Ansehn melden.

Ein Weib, ein schwaches Weib - ist's möglich? - streitet

Mit Rom, mit mir, und wird vom Sieg begleitet?

Ich gäb', um sie zu fangen,

Um im Triumphesprangen

Sie einst nach Rom zu bringen

Und ganz hinunter ihren Stolz zu zwingen,

Ich gäb' . . . o thöricht Streben!

Rom ist gefallen; was noch kann ich geben?


Der H a u p t m a n n tritt auf.

Hauptmann.

Ein Kriegen aus den Reihen

Zenobiens fleht, Gehör ihm zu verleihen.

Aurelian.

Nun gilt's Verstellung, Seele!

Daß ihm kein Blick von meiner Qual erzähle.

(zum Hauptmann)

Bring' ihn!

(Hauptmann ab)

In dieser Noth, was kann er wollen?


L i v i u s tritt auf.

Livius.

Vergönne, Herr, dir Huldigung zu zollen.

Aurelian.

Was wünschest du?

Livius.

Voll Grimm und wenig weise,

Wünsch' ich nur Rache mir, zu jedem Preise.

Livius bin ich, der Neffe

Zenobiens, die das Verderben treffe!

Als Weib von Odenathen,

Beherrscht sie seine Staaten;

Denn mich, den einz'gen Erben,

Verbannt' er selbst, zum Hohne

Des eignen Bluts, höchst undankbar vom Throne.

Das Volk, mir zum Verderben,

Zur Neuerung verschworen,

Gab ihr den Thron, für welchen ich geboren.

Dafür nun will ich, mit entschloßnem Streben,

Zum Frevel auf mich raffen;

Ich will Palmyra dir, will dir daneben,

Gefangen oder todt, Zenobien schaffen.

Aurelian.

Durch dich soll ich erlangen

Palmyra's Krone?

Livius.

Ja.

Aurelian.

Du bringst, gefangen,

Hierher Zenobien?

Livius.

Ja.

Aurelian.

Warum verziehen?

Doch erst zu deinen Füßen will ich knieen

Und hohen Schwur geloben

Bei'm heiligen Apoll, bei Zeus dort oben,

Bei'm grauen Gott der Waffen,

Bei dem, der Erd' und Himmel hat erschaffen,

Daß, Livius, wirst du d e n Triumph mir geben,

Ich auf den höchsten Platz dich will erheben,

Mir selber gleich dich schätzen

Und meine Kron' auf deine Scheitel setzen.

Livius.

Kein Zweifel drücke

Die Seele dir. Die Anzahl ihrer Wachen

Ist nimmer mir verborgen;

So kann ich ohne Sorgen

Mich an ihr Zeit mit hundert Kriegern machen.

Zenobia wird ohne' allen Argwohnbleiben

Und ihren Sieg um diese Zeit beschreiben.

Wenn nun die nächt'gen Schatten

In ihr Gezelt den Eingang mir verstatten,

Sollt' ich sie nicht entführen,

Eh' Arme sich zu ihrem Schutze rühren?

Aurelian.

Daß nicht mit leerem Truge

Unnütze Wort' uns führen zum Verzuge,

Geb' ich dir hundert Krieger,

Längst in der Schule Mars bewährt als Sieger.

Und nun, als meines Danks gewisses Zeichen,

Nimm diesen Ring, den Sternen zu vergleichen,

Von meiner Hand, sehn wirst due, wie ich lohne,

Denn steigen sollst du bis zum Himmelsthrone.

(Er giebt dem Livius einen Ring.)

Livius.

(bei Seite)

Welch hoher Rang, den ich nun bald erklimme!

So sag' es mir die wundervolle Stimme.

O Glück, in froher Schnelle

Wirst du mich sehn auf einer hohen Stelle!

(Beide gehen ab)


Zenobiens Zelt. Nacht.

Zenobia, Irene, Crotilde und Persius treten auf.

Zenobia.

Laßt mich allein ein wenig.

Irene.

Was fehlt dir?

Crotilde.

Was verstimmt dich?

Zenobia.

Ein unbekanntes Trauern

Drückt mir den Muth danieder;

Mich überfällt ein Zagen,

Schmerz wühlt in meinen Sinnen.

Bei'm ersten Angriff, heute

Im Schlachtgewühl, erblickest

Du nicht mein Roß getödtet?

Den Felsen sich entwindend,

Hervor aus düstrem Grauen

Scholl nochmals eine Stimme

Zu mir mit bangem Tone;

Ich würde, rief sie wimmernd,

Verräther und Tyrannen

Heut zur Trophaee dienen.

Ich fand mein Zelt gefallen;

Und können so geringe

Vorzeichen mir auch niemals

Den hohen Muth besiegen:

Doch fürcht' ich . . . ach! ich weiß nicht,

Und kann es nicht berichten;

Denn groß war nie ein Kummer,

Für den man Worte findet.

Persius.

Erheitre dich, und denke,

Dein Ruhm wird ewig siegen;

Und deines Landes Freiheit

Lebt, wie die Nam', auf immer.

Zenobia.

Hinweg, ihr eiteln Sorgen,

Laß ab, mich zu umringen!

Ich will, mich zu erheitern,

Beschreiben diese Kriege.

Persius.

Schon ist der Tisch bereitet.

(Man bringt einen Schreibtisch mit dem nöthigen Geräthe. Z e n o b i a setzt sich zum Schreiben; die Andern gehen ab.)

Zenobia.

Daß meinen Ruhm zu schildern

Nicht einst die Zeit vergesse,

Die stets der Wahrheitsliebe

Großthaten, und dem Neide

Unmöglichkeiten bildet,

Beschreibt die, welche kämpfte,

Nun selber ihre Siege,

Gleich mächtig, Schwerdt und Feder

Mit Nachdruck zu regieren.

Des Morgenlands Historie

Nenn' ich's; nun fortgeschrieben!

(Sie schreibt.)

"Aurelian, gezwungen

Sich schnell zuzückzuziehen,

Erbat in Demuth Hülfe

Von Persien und Aegypten.

Um diese Zeit war Livius . . . "

(Sie betrachtet das Geschriebene mit Entsetzen.)

Weh mir! mit blut'gen Schriften

Steht hier der Name Livius.

Kaum nennt mein Mund ihn wieder,

Strömt Blut aus meiner Wunde

Und färbt Tisch und Papiere

Mit abgefallnen Nelken,

Mit flüssigen Rubinen.

O Blut'ges Wunderzeichen!

Doch weh, welch Graungebilde!

Mich, Odenath, verfolgst du

Noch Todt? Was ist dein Wille?

Halt ein, Gemahl und König!

Verletz' in deinem Grimme

Nicht die . . . Was muß ich schauen?

In Rauch sich zur Wolke,

In freier Luft verschwindend.

(Sie sinkt wie ohnmächtig hin.)


L i v i u s, der  H a u p t m a n n  und  S o l d a t e n  treten auf.

Livius.

Dies ist ihr Zelt; hier weilt sie

So unbesorgt in Frieden,

Daß sie im Arm des Schlummers

Zugleich nun lebt und stirbet.

So leise naht, als träte

Einher auf Schattenbildern

Von seiner Flucht der Kühnste.

Hauptmann.

Tod ihr, will sie uns hindern!

Livius.

Naht euch; verhüllt ihr Augen

Und Mund.

Zenobia.

(wie im Traume)

O fürchterliches

Gebilde! (erwachend) Doch was seh' ich?

(Sie ergreifen sie von hinten, fesseln ihre Hände und werfen ihr einen Schleier über.)

Livius.

Den, der nun ganz empfindet

Der Rache Lust.

Zenobia.

Verrath!

Livius.

Dein Rufen hilft dir nimmer;

Denn todt sind deine Wachen.

Zenobia.

Verrath!

Livius.

(zu den Soldaten)

Hört, ruft sie wieder

Verrath, dann rufet alle:

Verrath! so wird verhindert,

Daß uns das Volk erkenne;

Denn nie wird Jemand wider

Sich selbst um Hülfe rufen.

Zenobia.

Verrath!

Alle.

Verrath!

Livius.

Der Himmel

Begünstigt meine Rache.

(Z e n o b i a  wird gefesselt abgeführt)

L i v i u s  bleibt zurück; I r e n e  tritt auf.

Irene.

Durch trüber Schatten Dichte

Komm' ich, dich aufzusuchen,

Ein Luchs der Finsternisse.

Gelungen ist dein Anschlag;

Denn da sie selber riefen:

Verrath! so ließ die Menge

Sie ungehindert ziehen.

Livius.

Nun komm zu Aurelianen,

Um mit mir zu genießen,

Was er mir zugesprochen

Durch diesen Ring; als Siegel

Enthält er Roma's Adler

Und soll den schönen Finger

Dir schmücken.

(Er steckt ihr den Ring an,)

Irene.

Laß uns gehen,

Welch glückliches Gelingen!

(Beide ab.)


Römisches Lager.

A u r e l i a n  tritt auf.

Aurelian.

Bei'm muntern Ruf der Sonne,

Mit holdem Gruß, erscheinen

Die Dämm'rung unter Weinen,

Aurora voller Wonne;

Denn beid', an einem Tage,

Bereiten sich zum Jubel und zur Klage.

Wohl gleicht mein Ruhm Auroren;

Der Dämm'rung gleicht die schöne

Zenobia, der ich fröhne,

Doch gegen sie verschworen.

So, zwischen Lust und Trauern,

Preis' ich mein Glück, muß mich ihr Unglück dauern.

(Kriegerische Musik von fern.)

Mit lautem Wiederhallen

Verkündet von dem frohen

Eräugniß der Hoboen

Und der Trommeln Schallen,

Mit der heitern Klängen

Gedämpfter Trommeln Wirbel sich vermengen.

Zug von Soldaten. Z e n o b i a  erscheint in Fesseln, mit verhülltem Gesichte. Man nimmt ihr den Schleier ab; sie kniet vor dem Kaiser nieder.

Zenobia kommt, gefangen;

Mit demuthsvollem Grüßen

Fällt sie zu meinen Füßen.

Nun strebe mein Verlangen,

Und meine Hoffnung wache;

Denn Lieb' heischt Mitleid, Ehre heischt Rache.

Bald stirbt dahin die Liebe,

Allein der Ruhm lebt immer;

Drum Mitleid, hoffe nimmer!

Doch sehnen sich die Triebe,

Trophaeen zu erlangen,

Dann lebe du, mein Ruhm; stirb, mein Verlangen!

Zenobia.

Monarch, dem ewig bleiben

Der Ruhm soll zum Tribute,

Wird einst die Zeit mit Blute

Von diesem Siege schreiben;

In meiner Leiden Schwere

Merk' auf der Lippe Ton, des Auges Zähre!


Nicht trotzig und verwegen

Will ich vor dir erscheinen,

Nur traurig und mitz Weinen;

Um allen darzulegen,

Daß, die in sauren Tagen

Zu siegen wußt'. auch Fesseln weiß zu tragen.


Vor dir liegt auf der Erde

Die,so zu ihren Füßen

Dich hoffte zu begrüßen;

Damit dir sichtbar werde,

In welchen Trauerspielen

Sich oft des Glückes Wandlungen gefielen.


Die auf des Ruhmes Schwingen

Sich kühn gen Himmel wagte

Und, siegberauscht, nicht zagte

Mit Pallas selbst zu ringen,

Legt jetzt, besiegt, in Banden,

Den Mond dahin, wo deine Füße standen.


Nicht fleh' ich um mein Leben;

Denn, deinen Ruhm zu steigern,

Fürcht' ich, du wirst's nicht weigern.

Und schon, dahingegeben

Den Thränen, muß ich sagen,

Des Glückes Wechsel schafft allein mir Zagen.


Freiheit dem Vaterlande

Erfleh' ich, paart so wilde

Rachgier sich auch mit Milde;

Denn kommt vom Widerstande

Nur mir die Last zu Schulden,

Muß auch nur ich die Rache Rom's erdulden.


Mich laß, o Tapfrer, büßen!

Mich treffe deine Rache!

Mein Haupt der stolzen, mache

Zum Schemel deinen Füßen,

Und gieb der Tiber Auen

Gefesselt mich, im Siegespomp, zu schauen!


Du eilst, dich abzuwenden?

So will ich meine Klagen

Den Winden übertragen,

Gen Himmel sie zu senden;

Von meinen Seufzern schwelle

Die Luft, das Meer von meiner Thränen Welle!

Aurelian.

(für sich)

Bei ihrem Klaggewimmer,

Wohl könnt' ich Zung' und Augen

Noch zu besiegen taugen;

Allein das Ohr doch nimmer.

Die Zunge schützt dawider

Der Lippe Schloß, das Aug' hat Augenlieder.


Doch welche Wehr mir schaffen,

Die mich vor Tönen rette?

Wie besser wär' es, hätte

Das Ohr auch seine Waffen!

Daß man der Schönheit Leiden

Wohl mögte sehn, doch sie zu hören meiden.


Nein, wer mit tauben Ohren,

Mit ungerührter Seele,

Sieht, wie ein Weib sich quäle,

Der ist nicht ächt geboren;

Kein Mensch wird der erfunden

Den nicht der Name  W e i b  schon überwunden. -


Aurelian, welch Schwanken!

Bist du es, der ausdrücklich

Sich's angelobt, stets glücklich

Und siegreich, sondern Wanken

Der Liebe Macht zu beugen?

Nun wird dein Antlitz deine Schmach bezeugen.


Doch, zeigt verliebtes Sinnen

Dich schon in nicht'ger Blöße?

Weicht ihrer Schönheit Größe

Dem kräftigen Beginnen

Des größern Muths, so strebe,

Daß ihrem Reiz dein Muth sich gleich erhebe,


So ist für mich verschollen

Der Liebe Macht und Strenge;

Denn wer ist, der mich zwänge

Mehr als mein eignes Wollen?

Nicht alle Glut der Triebe

Zwingt mich, wenn ich nicht lieben will, zur Liebe.


Schon sind des Sieges Töne

Mir kräftiger erklungen;

Drum, wer den Stolz bezwungen,

Bezwing' auch ihre Schöne.

(zu Zenobien)

Zenobia, schmerzbekommen

Seh' ich dich hier, von Mitgefühl entglommen.


Ja, leide, dulde, menge

Mit Seufzern deine Thränen.

Gieb auf das eitle Wähnen,

Im stolzen Siegsgepränge

Die Sterne zu berühren;

Die kann die Stärke, nicht das Glück, vollführen.


L i v i u s  und  I r e n e  treten auf.

Irene.

(zu Livius)

Komm, sprich!

Livius.

Mit kühnem Walten,

Ganz deiner Rache fröhnend

Und deine Hoffnung krönend,

Hab' ich mein Wort gehalten.

Du, halte nun das deine.

Aurelian.

Ich will's, daß meine Wortes Kraft erscheine.


Mich selbst dich gleich zu setzen,

Versprach ich dir zum Lohne;

Hier siehst du meine Krone.

(Er setzt Livius seine Krone auf.)

Irene.

O Glück, wie hoch zu schätzen!

Aurelian.

So, nach gerechtem Rathe,

Wird Lohn dem Beistand, Zücht'gung dem Verrathe.


Nun laßt, so herrlich glänzend,

Auf jene Höhn ihn führen,

Die an die Sterne rühren,

Den Horizont begränzend,

Und stürzt ihn von der Steile.

So hoher Platz wird, Livius, dir zu Theile.


Hinweg mit ihm!

Livius.

O Grauen!

Ich muß mit solchen Qualen,

Was ich verschuldet, zahlen.

(Soldaten führen ihn fort.)

Aurelian.

Nie konnt' ich dir vertrauen;

Denn wer mit frechem Muthe

S e i n  Blut verkauft, thut so auch fremdem Blute.

Irene.

(bei Seite)

Man führt ihn fort zum Sterben.

Schnell! daß es mir gelinge,

Ihn mit des Kaisers Ringe

Zu retten vom Verderben,

Indem ich keck behaupte,

Daß Aurelian zu leben ihm erlaubte.

(ab)

Aurelian.

Was dieses Reich bewohnet,

Begnad' ich mit dem Leben.

Will Aufruhr sich erheben,

So werde nichts verschonet,

Als, die statt wilder Thiere

Zien meinen Wagen, wenn ich triumphire.

Zenobia, sey gelassen!

So geht die Welt.

Zenobia.

Ich werde,

Je größer die Beschwerde,

Mich so geduld'ger fassen;

Denn die sich stolz erzeigt in guten Tagen,

Wird wissen auch die schlimmen zu ertragen.