Theatertexte

Adolph Müllner

Erster Akt.

Saal eines nordischen Grafenschlosses mit mehreren Thüren und praktikablen Fenstern. Eine Schlaguhr im Saal an der Hinterwand.

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Erste Scene.

Elvire

allein, die Harfe im Arm, das Spiel mit immer leiseren, sanft verschwebenden Tönen endigend.

Wie der letzte Laut verklinget,

Der sich unter leiser Hand

Aus der Harfe Saiten schwinget;

Wie's auf klarem Teichkristalle

Sich von eines Tropfen Falle

Weiter stets und schwächer ringet,

Bis es fern am Blumenstrand

Still verschwand:

So auch möcht' ich einst verschweben

Und verklingen in das bessre Leben!

Wird mich, fern vom Vaterland,

In der Stürme rauher Wiege,

Wo ich angefesselt liege

Von der Liebe starkem Band -

Wird mich einst des Schicksals Hand

Sanft empor zur Heimath heben?

Das Haupt auf die Harfe geneigt, bleibt sie eine Weile ruhen. Eine Saite springt, Elvire fährt erschrocken auf, die Harfe fällt dröhnend zu Boden.

Ah! Mein Gott!

Sie sucht sich zu fassen.

Bin ich bei Sinnen?

Eine Saite sprang -ihr Schrei

Traf das überraschte Ohr -

Weiter nichts. - Bei Gott, hier ist nichts neu,

Nichts erschreckend, als mein kindisches Beginnen.

Dennoch strebt mein Haar empor,

Und ein Schauer läuft die Glieder

Rieselnd auf und nieder.

Macht die Einsamkeit mich bangen?

Schreckt mich die Dämmerung,

Die bei meiner Töne Klage

Unbemerkt mich hat umfangen?

Oder - war der Saite Sprung

Eine  A n t w o r t  auf die Frage,

Die ich eben - - Grausen füllt

Meine Brust! - - Der Schall, die Welle -

Wohl sind sie des Lebens Bild;

Doch die Woge, die im Sturme

Schäumend sich am Felsen bricht,

Eine  W e l l'  ist's wie die andre,

Die im weißen Mondeslicht

Auf des Teiches Spiegel schwindet:

Und der Riß gespannter Saiten,

Wie der Klang, der sanft verhallet,

Ist ein  S c h a l l,

Der den Fall

Eines Menschen kann bedeuten. -

Von Ahnung erschreckt.

Gott! Wenn Hugo -

Sie zieht lang und heftig die Klingel. Ein Diener tritt ein.

Ist die Jagd

Noch zurück nicht in das Schloß?

Diener.

Nein.

Elvire.

So sendet gleich zu Roß

Einen Boten, der mir's sagt,

Wenn er sie gewahr vom Weiten.

Der Diener geht ab.

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Zweite Scene.

E l v i r e.  J e r t a, zu einer andern Thür herein.

Diener folgen ihr.

Jerta.

Was begegnet euch, Elvire?

Elvire.

Nichts.

Jerta.

zu den Dienern.

Licht in das Zimmer, schnell!

Die Diener gehen im Hintergrunde an, kurz darauf werden Kerzen auf Armleuchtern gebracht.

Eure Glocke tönte lang und hell -

Ihr seid ängstlich, wie ich spüre,

Und die Harfe liegt am Boden? -

Lächelnd.

Neckt es aus dem Reich der Todten

Schon im  Z w i e l i c h t  eure Sinne?

Elvire.

Wenn ich Thörichtes beginne,

Mögt ihr schwesterlich vergeben.

Mich ergriff ein schweres Bangen

Um des Gatten theures Leben.

Jerta.

Ist er heut zum ersten Mal

Von euch in den Forst gegangen?

Jagt in  S p a n i e n  kein Gemahl?

Elvire.

Oh, dort wehen sanft're Lüfte,

Und ein Garten ist die Flur.

Durch Olivenhainesdüfte

Schlängelt sich des Wildes Spur,

Und des Landes mild're Sitte

Herrscht bis in der Wälder Mitte:

Jagd ist  L u s t  dort, nicht  G e f a h r.

Hier in eurem rauhen Norden

Ist's ein Krieg, ein Wechselmorden

Hoch auf Felsen, wo der Aar

Um beeiste Spitzen kreiset,

Kämpfet in der Nacht der Föhren,

Trauend seinen Stahlgewehren,

Wild, der Jäger mit dem Bären,

Der ihn, wenn er fehlt, zerreißet.

Wölfe, nordische Hyänen,

Heulen in den Gründen, Klüfte gähnen

Plötzlich unter dem verirrten Tritt;

Schneegebirge rollen

Donnernd über Schollen,

Reißen den Schützen zum Abgrund mit!

Saget, Jerta, muß ich hier

Nicht für Hugo's Leben zagen?

Jerta.

Männer leben, um zu  w a g e n,

Um zu  l i e b e n, leben wir;

Und  h i e r  lieben wir die Stärke,

Denn - ihr ist ein Trost geblieben

Aus der grauen R u n e n zeit.

Unsichtbare Schwestern schirmen

Freundlich aus verfallnen Thürmen

Des geliebten Jägers Haupt. -

's kömmt d'rauf an nur, daß man's  g l a u b t! -

Elvire.

Oh! ihr wißt nicht -

Jerta.

fortfahrend.

Auszuweichen

Den Gefahren, mahnen ihn

Wohlbekannte Zauberzeichen,

Und an unheilsvollen Tagen,

Wo's  u n h e i m l i c h  ist zu jagen,

Läßt die Maid ihn nimmer ziehn:

Denn sie hat aus  G e i s t e r munde

Von des Tages Unbill Kunde. -

Elvire schaudert zusammen.

Ihr erschreckt? - Was ist euch? -

Elvire.

Ich -

Spottet, aber höret mich!

Sinnig saß ich da im Düstern,

Ausgeklungen waren meiner

Harfe Lieder, Grabgedanken

Zogen schwarz in mir vorüber;

Da - mit grellem Schwirren sprang

Unberührt die straffe Saite!

's war ein Ton, wie wenn, vom Schusse,

Schmerzlich in der Luft getroffen,

Laut der stolze Adler kreischet -

Und - des Nachhalls dumpfes Dröhnen

Gleich dem Stöhnen

Eines  S t e r b e n d e n  -

Jerta.

mit gutmüthiger Laune

Ihr kennet

Nicht der nord'schen Geister Weise.sten

Jenseits eurer Pyrenäen

Mögen  Z i t t e r klänge wehen

Aus den unsichtbaren Höhen,

Und den schauerlichen Tiefen,

Wo die Zukunft wird gewoben.

Anders spricht die Geisterwelt

Diesseits des beeisten Belt.

In des Schornsteins engen Lauf

Bläst der Wind mit vollen Backen.

Alle Thüren springen auf,

Alle Lichter löschen aus,

Schreiend fliegt der Storch vom Haus,

Und die Tragebalken knacken. -

Eulen, groß wie Adler, hacken

An die Fenster, schwarze Katzen

Sprühen Funken im Kamin,

Und ein Heer von Teufelsfrazen

Tanzt in Flammen blau und grün.

Höret ihr, hart vor den Ohren,

Nicht den Uhu: "Hugo!" schrein;

Mögt ihr ohne Sorge seyn,

Hugo ist euch unverloren.

Elvire.

Jera! - Doch du meinst es gut,

Willst durch Scherze mich zerstreun,

Und besänftigen mein Blut.

Oh! wär's Ahndung nur allein!

Jerta.

Was ist's noch?

Elvire.

Vergangne Schmerzen,

Aufgeregt im tiefen Herzen. -

Auf der Jagd fiel mein Gemahl

Karlos, meines Otto Vater.

Jerta.

Fiel?

Elvire.

Er stürzte mit dem Roß,

Und, im Fallen sich entladend,

Gab sein eigenes Geschoß

Ihm den Tod.

Jerta.

O, dann verzeihe

Meiner Laune Uebermuth.

Warum blieb mir das verborgen?

Elvire.

Deinen Bruder stimmt's nicht gut,

Wenn man von dem Unfall redet.

Karlos war sein  F r e u n d, war ihm

Seines Lebens Rettung schuldig.

Gläubiger und Schuldner liebten

Mehr als Brüder sich.

Jerta.

Du kanntest

Hugo schon bei Karlos Leben?

Elvire.

Nein - ja -

Jerta.

Wie? - Du lässest mir

Zwischen Ja und Nein die  W a h l ?

Hugo's Freund war dein Gemahl,

Also  k a n n t e t  ihr euch?

Elvire.

Wir -

Nachdem sie sich gezwungen, Jerta anzusehen.

Schwester! - Oh, dein reiner Sinn

Wird den Stab Elvirens brechen;

Aber aus muß ich es sprechen,

Was der Quell ist meiner Qual.

Hugo - - Ja, ich kannt' ihn  - ich

L i e b t'  ihn schon bei Karlos Leben. -

Sie wendet sich ab. Jerta tritt mit dem Ausdruck der Mißbilligung von ihr weg.

Nach einer Pause fährt Elvire fort.

Sieh, d'rum macht ein  B l a t t  mich beben,

Das im Abendwinde rauscht.

Gott hat Hugo mir  g e g e b e n,

Doch die Rache, dünkt mich, lauscht

Mit dem Schwerte, schaff geschliffen,

Ob dem Haupt der Sünderin,

Deren Herz in wildem Sinn

Dem Verhängniß vorgegriffen.

Ewig zittern muß Elvire,

Daß sie plözlich den Gewinn,

Den sie nicht  v e r d i e n t, verliere.

Jerta

kommt zurück, mit dem Ausdruck des Mitleids sie anblickend.

Daß du deinen Frienden trübtest,

Nimm als Straf' in Demuth hin.

Es ist  H u g o, den du liebtest;

Hugo's Schwester ist es nicht,

Die den Stab Elvirens bricht.

Sie umarmen sich bewegt, und gehn auseinander nach den Fenstern.

Das Rauschen des Windes, schon früher hörbar, wird stärker und vernehmlicher

durch die einige Sekunden herrschende Stille.

Elvire

beklommen.

Horch, der Wind erwacht am Strand,

Und die Nordsee donnert ferne.

Ausgelöscht sind alle Sterne,

Und vom finstern Himmelsbogen

Kommt der Schnee im Sturm geflogen.

Wirbelnd, wie der Wüste Sand,

Stäubt er wieder auf vom Boden,

Und, wie Erde birgt die Todten,

Deckt er das erstarrte Land,

Aufgethürmt zu Grabeshügeln. -

Sie geht vom Fenster.

Mich umrauscht's mit Geierflügen! -

Jerta! Jerta, lehrt mich

Meine Angst um Hugo zügeln!

Jerta.

Ruhig! Es verlieret sich

Eine Schar von Jagdgenossen,

Auf des Nordlands hohen Rossen,

In bekannten Wäldern nicht.

Wenn der Sterne Schein am Himmel

Wolken löschen, fällt das Licht

Weich, in flockigem Gewimmel,

Nieder auf die dunkeln Wege

Durch das felsige Gehege.

S c h n e e l i c h t  heißt es hier. - Ihr wißt

Nichts davon im heißen Süden.

Man hört sehr schwach und fern Jagdgetöse, Hundegebell,

und später das Rufen der Jagdhörner.

Elvire

am Fenster.

Jerta! Hörst du nichts? - Mir ist

Vor dem Ohr, als bellten Rüden.

Jerta

tritt zu ihr.

Ja. - Sehr fern noch.

Elvire.

Nein, ich höre

Hörner schallen. - Horch! so rufen

Sich zerstreute Jäger an,

Daß man heim zusammen kehre.

Freudig, das Fenster verlassend.

Hugo kommt!

Jerta

die am Fenster blieb.

Er ritt voran,

Mein' ich; denn von Rosses Hufen

Wird's im vorderen Schloßhof laut.

Elvire.

O Gottlob! - Wie eine Braut

Harr' ich seinem Gruß entgegen,

War er gleich nur Stunden aus.

Jerta

in das Seitenzimmer rufend.

Lieber Otto, komm heraus!

Otto

von innen.

Gleich.

Jerta

noch in der Tür.

Geschwind! Zusammenlegen

Kannst du später deine Bilder.

Komm, dein Vater und sein wilder

Schwarzer Däne kommen.

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Dritte Scene.

D i e  V o r i g e n.  O t t o.

Otto.

Wer?

Jerta.

Lauf hinab!

Otto.

Mein Vater? - Hör',

Wirst du  d a s  denn  n i e  behalten?

Vater ist  g e s t o r b e n. Er

War nicht bürtig aus dem kalten

Land. -  H e r r  H u g o  O e r i n d u r

Ist  d e r   M u t t e r  G a t t e nur.

ab.

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Vierte Scene.

E l v i r e.  J e r t a.

E l v i r e, welche im Begriff war, mit Otto zu

gehen, kommt in den Vordergrund zurück.

Jerta.

Du gehst nicht hinab zur Pforte?

Elvire.

Kann ich? - oh, des Knaben Worte

Lähmen mein Freunde Flügel.

Jerta.

Arme Schwester! Ich verstehe:

Arme Schwester! Ich verstehe:

Dieser Knab', voll Mild' und Huld,

Zeigt, ein immer klarer Spiegel,

Dir das Bildnis deiner Schuld.

Elvire

sehr bewegt.

Peinlich ist mir seine Nähe,

Und doch kann ich ihn nicht missen.

Ich begehre, daß er gehe,

Und bedeck' ihn doch mit Küssen! -

Was ist kinderlose Ehe?

Hugo liebt ihn väterlich,

Möchte gern im holden Knaben

Einen Sohn gewonnen haben;

Doch der Knabe liebt nur mich.

Der Natur geheime Triebe

Wenden ihn von fremder Liebe,

Und ein Unsichtbares Band

Zieht ihn nach dem Vaterland.

Zwischen uns so steht er, wie

Eine Mauer zwischen Flammen.

Ueber Otto schlagen sie

Hochauflodernd, wild zusammen;

Tief seufzend.

Aber - E i n e  wird es nie.

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Fünfte Scene.

Die  V o r i g e n.  O t t o. Bald darauf  K o l b e r t

Otto

fröhlich.

Jerta! Mutter! Nicht Herr Hugo

Ist im Schlosse eingeritten;

F r e m d e  sind es. Und sie tragen

Zierlich unseres Landes Kleider,

Reden  s p a n i s c h. - Ach, die schönen,

Langentbehrten Worte tönen

Wunderlieblich in mein Ohr!

Laß geschwind die Männer vor!

Kolbert.

Gnäd'ge Frau, ein fremder Herr,

Den des spanischen Gesandten

Diener hat zum Schloß geleitet,

Fragt nach dessen Herrn, dem Grafen

Oerindur.

Elvire.

Sein Name?

Kolbert

nachsinnend.

Don -

Sie verzeihn, die fremden Töne

Fassen sich so schwer - ich will -

Elvire.

Bleibt! Wer es auch möge seyn,

Sagt, daß wir des Grafen harren,

Und logirt die Fremden in

Des Gebäudes besten Zimmern.

Andre sorgen für's Gefolge.

Kolbert ab.

Otto.

Mutter, laß des span'schen Herren

Mich begrüßen, nach der Sitte

Seines Landes.

Elvire.

Geh, doch frage

Nicht ihn unbescheiden aus,

Wer er sey.

Otto

froh und mit Stolz.

Ein Spanier ist's!

Weiter brauch' ich nichts zu wissen.

ab.

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Sechste Scene.

E l v i r e.  J e r t a.

Elvire

beunruhigt.

Jerta, was bedeutet das?

Jerta.

nachdem ihr Auge einige Sekunden auf Elvire geruht.

Ein Besuch aus einem Lande,

Wo mein Bruder lange gelebt,

Und sein Weib sich hergeholet,

Wird ihn weniger befremden,

Als er euch zu ängst'gen scheint.

Elvire.

Ich gesteh's, mir ist die Brust

Wie mit einem Stein beladen.

Jerta.

Ob und was zu fürchten ist,

Kann allein Elvire wissen;

I c h  weiß  e i n e s  nur.

Elvire.

Ein's und was?

Jerta.

Daß aus Spanien wenig Gutes

Noch für Hugo ist gekommen,

Ob ihr schon des Land so rühmet.

Elvire.

Wie soll ich die Rede deuten?

Jerta.

Aufgewachsen doch im Norden,

G'rad und stolz wie unsre Tannen,

(Obwohl anderwärts geboren)

Schien er früh schon auserkohren

In der Zierde nord'scher Mannen.

Offen, wie des Himmels Blau,

Lag in seinem Aug' die Seele

Fremdem Auge da zur Schau,

Freundlich, fest und ohne Fehle.

Männer priesen laut den Krieger,

Stark, zu halten einen Thron;

Jungfrau'n, ihm die Myrtenkron'

Flechtend im verschwiegnen Busen,

Seufzten heimlich nach dem Sieger.

Elvire

begeistert.

Ja,  s o  war er anzuschauen,

Fremd, ein neuer Gott der Musen,

In des Ebro goldnen Auen.

So -  s o  gab er Lust für Ruh! -

O, wie feurig führest du

Die Verteid'gung meiner Triebe -

Feurig, wie ich d'rum die liebe!

Sie umarmt Jerta.

Jerta

ernst.

Ihr tut übel d'ran, denn wißt:

Wir sind  N e b e n b u h l e r i n n e n.

Elvire

verwundert.

Schwester!

Jerta.

Hugo, sorg' ich, ist

Nur der Abgott eurer Sinnen.

Innig.

Ich -  i c h  lieb' ihn, Seel' um Seele,

Wie man droben liebt im Licht!

Daß zu  e u r e m  Glück nichts fehle,

Habt ihr an euch ihn gerissen;

Ich will ihn,  i h n  glücklich wissen,

Und - ich fürcht', er ist es nicht.

Elvire.

Wie ? nicht glücklich? - Er ist  m e i n!

Liebt er mich, so muß er das seyn.

Jerta.

mit einem wehmüthigen Lächeln und verneinender

Kopfbewegung.

Singend zieht der weiße Schwan,

In der Brust den tiefen Frieden,

Wenn der Winter kommt, nach Süden

Durch der Lüfte freie Bahn;

Und mit glänzenderm Gefieder,

Singend, wie er ist geschieden,

Kehrt er aus der Fremde wieder.

N i c h t  s o  H u g o. - Fortgezogen

Ist er auf dem Segelkahn,

Durch das Reich der blauen Wogen,

Heiter, wie der weiße Schwan,

Kräftig, wie der junge Aar;

Aber, was er scheidend war,

Ist nicht wieder heimgekehrt,

Zu dem väterlichen Herd.

Wie in  e u r e m  Busen, rasen

Stürme wilder Leidenschaft

In dem  s e i n i g e n, und blasen

Aus die Fackel seiner Kraft.

Seine fest verschloß'ne Brust

Bei dem Drang' nach wilder Lust;

Seine scheuen, düstern Blicke,

Die, wenn sie in  e u r e  sehn,

Glut in Gluten untergehn -

Ach - sie zeugen nicht von Glücke!

Glück ist ohne Frieden nicht.

Elvire.

Eine Wahrheit, die ich fühle

Tief im stets bewegten Blut.

Kannst du es, wohlan, so kühle,

Reine Seele, unsre Glut!

Oder -  s c h w e i g, und laß gewähren,

Laß sich Flamm' in Flamm' verzehren!

Sie will ab, Kolbert tritt ihr entgegen.

Was - was ist's?


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Siebte Scene.

K o l b e r t. Die  V o r i g e n.

Kolbert.

Der Bot' ist wieder

Da, den man hinausgesendet

Auf den Weg zum großen Forste.

Elvire

froh.

K o m m t  der Graf?

Kolbert.

Er - wird  v e r m i ß t.

Elvire

wankend vor Schreck.

Gott!

Jerta

dringend

Vermißt?

Kolbert.

Seit einer Stunde

Rufen schon von allen Bergen

Ihn die Jäger mit den Hörnern.

Er und Holm. der Reitknecht, fehlen.

Jerta.

Ha, so zündet Fackeln an,

Und hinaus, was in dem Schlosse

Nur entbehrt werden kann!

Aus den Ställen alle Rosse,

Eins mir selbst!

Kolbert ab.

Elvire.

Ihr wollet -?

Jerta.

Ich

Handle lieber, wo ihr zittert. -

Feile Diener machen sich

L e i c h t  die Arbeit, wenn man ihnen

Niemand vorsetzt, der sie zwingt,

Ihrem Herrn mit Ernst zu dienen.

Elvire.

Ich will mit!

Jerta.

Ihr seid zu zart

Für ein Wetter solcher Art;

Mag ich selbst doch unverwahrt

Nicht hinaus.

Sie geht in das Nebenzimmer.

Elvire

nach kurzer Pause.

Ich muß vergehen

In der Angst, eh' ich erfahre,

Ob das Schreckliche geschehen,

Was der Riß der Saite -

Man hört nahes, fröhliches Hörnergetön.

Ha!

Jerta! - hört ihr die Fanfare

Vor dem Thor? - durch Sturm und Wetter

Tönt das freudige Geschmetter

Es herauf: Der Graf ist nah!

Jerta

im Pelz heraustretend.

Desto besser.


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Achte Scene.

H o l m. Die  V o r i g e n.

Holm.

Gnäd'ge Frauen,

Ich soll höflich euch vermelden,

Daß ich heim bin, und der Herr.

Elvire.

Wo?

Holm.

Er geht nach seinen Zimmern.

Elvire.

Nicht zu mir?

Holm.

Er kann sich so,

Wie er ist, nicht sehen lassen,

Voller  B l u t!

Elvire

bestürzt.

Um Gotteswillen!

Hugo blutet?

Holm.

Nein, 's ist der  S c h w e i ß

Eines Ebers, wie sie's nennen.

Elvire geht beruhigt in den Vordergrund, Holm folgt ihr einige Schritte.

Ja, das hätt' ich euch gewünscht,

Daß ihr's hättet sehen können.

Jerta.

Was?

Holm

zu Jerta gewandt.

Den Herrn und diesen Keiler.

Unser Harro fand die Spur;

"'s ist noch zeitig," sagt' er, nämlich

Der Herr Graf - Es war fünf Uhr -

Und so ging's in Gottes Namen,

Ohne Büchs' und ohne Horn,

Die der Herr schon abgegeben,

Waldwärts über Stock und Dorn.

Ungefähr nach einer Stunde

Kriegten wir den Burschen auf.

"Hussa!" rief der Herr. Die Hunde

Fielen wie die Löwen drauf:

Aber - rechts und links hin flogen

Sie gerissen in den Schnee.

Der Graf wollt' mit dem Spieße

Drauf; der Rapp' stiegt in die Höh -

Ließ sich unsre Hunde eine

Warnung seyn, und mocht' nicht 'ran.

Also 'runter! - Auf der Stelle

Nahm ihn auch der Eber an.

Elvire hört von hier an wieder mit ängstlicher Theilnahme zu.

Der Herr Graf stand noch nicht feste,

Und - daß Gott! schlief ging der Fang.

Blitz noch eins! da wurd' mir bang!

Aber eh' das Thier sich wieder

Wandte, fiel der Gnäd'ge Herr,

Selber wüthend, wie der Keiler,

Mit den Fäusten drüber her;

Riß ihn, wie er war, zu Boden -

Ich, nicht faul, sprang auf den Wanst -

Und nun bohrt' er mit dem Fänger

Und dem Messer, was du kannst,

Ihn so lang' in Brust und Kehle,

Bis er seinen letzten Schweiß

Vollends ausgeröchelt hatte.

Er war  k a l t, wir waren  h e i ß.

Elvire,

die sich schaudernd abgewandt.

Welch ein gräßliches Vergnügen!

Holm.

Nun, wir ließen ihn denn liegen;

Aber nun ist alles 'naus,

Und noch heute muß der Dicke

Auf dem Schlitten hier in's Haus. -

Jerta.

Sag' dem Grafen, daß er schicke,

Wenn es umgekleidet ist.

Holm.

Wohl.

ab.


_____


Neunte Scene.

J e r t a.  E l v i r e, die von der Erzählung angegriffen, sich an einem Stuhl hält.

Jerta.

Wie wird euch? - Eure Blicke

Sind verstört, was - ?

Elvire.

Die Beschreibung!

Wahr, lebendig bis zum schauen!

Gräulich!

Jerta.

Sicher Uebertreibung.

Wer den Strauch mit umgehauen,

Macht daraus gern einen Baum.

Elvire

aus Phantasieen aufseufzend

Oh! Er ist ein reißend Thier!

Jerta

befremdet.

Wer?

Elvire.

Der Hugo.

Jerta.

Träumt ihr?

Elvire.

Ja, ein fürchterlicher Traum

Meiner ersten seel'gen Nacht

Wiederholt sich meiner Seele.

Hugo wähnt' ich zu umfassen,

Und - ein  T i g e r  sah mich an.

Ich vermocht' ihn nicht zu lassen,

Und - indem ich es erzähle,

Faßt es mich wie Fieberwahn -

Küßt' ihm Klau und blut'gen Zahn,

Er -

Sie hält von Vorstellungen überwältigt inne.

Jerta.

Erhitzen Blutes Bilder!

Elvire.

Oh! zu wahr, zu ähnlich nur!

Sagt es selbst, wird Oerindur

Täglich kühner nicht und wilder?

Schaudernd, will er mich umfassen,

Stürz' ich mich an seine Brust.

's ist ein  T i g e r, den du hassen,

Oder für ihn glühen mußt!

Wenn er sanft sich an mich lehnet,

Wenn er seufzt und sich sehnet,

Wenn sein Auge Küsse heischet;

Blitzt's oft furchtbar d'rinn empor.

Es durchzuckt mich, wie ein Strahl,

Und der Gatte meiner Wahl

Kömmt mir wie ein Raubthier vor,

Das mich  l i e b t, und mich  z e r f l e i s c h e t.

Nach einer Pause feierlich.

Jungfrau! Mag euch Gott behüten

Vor dem innerlichen Wüthen,

Das mich  von und zu ihm reißt!

ab.

Jerta,

nachdem sie ihr nachgesehen.

Ist es diese  Q u a l, die  "l i e b e n"

In den heißen Zonen heißt?

Tief bewegt.

Oh! Wäre Hugo heim geblieben!


_____


Ende des ersten Akts.